Projektbeschreibung

KNASTMADE: ERKLAERT   

Die Arbeit mit staffälligen Jugendlichen behutsam präsentiert

Der Boje e.V. begann vor zwei Jahren ein Projekt anzustoßen, das straffällig gewordenen Jugendlichen während ihrer Haft eine sinnvolle Tätigkeit ermöglicht. Statt deprimiert ihre Zeit in der Zelle abzusitzen, dürfen die jungen Menschen raus und “Knastmade-Produkte” herstellen. Rugwind wurde beauftragt die verwobene Arbeit der Boje, der Werkstatt “Sprungbrett” und der Marke in einer Ausstellung zu erklären und zu präsentieren. Fotografische Arbeiten zeigten den Blick in das tägliche Geschehen. Grafiken erklärten die Zusammenhänge der Arbeit der ehrenamtlichen Helfer.

Was kaum jemand weiß, aber harte Tatsache ist: Wer als Jugendlicher in Schlägereien verwickelt wird, schwarz fährt oder stiehlt, landet im Jugendknast, sofern die aufgebrummte Geldstrafe bzw. Sozialarbeit nicht abgeleistet wird. Die Gründe, warum die jungen Menschen für ein bis vier Wochen in den Knast müssen, sind so unterschiedlich wie deren Biografien. Die Mitarbeiter der Boje haben weder Interesse daran, die Taten der Jugendlichen zu psychologisieren, noch möchten sie Mitleid heischen. Die jungen Menschen haben bei der Boje die Möglichkeit, selbstbestimmt Produkte herzustellen, die in Weimar unter der Marke Knastmade verkauft werden. Am Arbeitstisch gibt es neben der Produktion auch Raum für Gespräche, den viele der jungen Insassen anderswo nicht haben – weder bei ihren Familien noch bei ihren Freunden. Die Kombination aus ermutigender Tätigkeit und der Möglichkeit zu reden, ist den Mitarbeitern der Boje sehr wichtig.

Am Ende steht ein Produkt, es wird verkauft und die Jugendlichen haben einen Wert mit eigenen Händen geschaffen. Es werden in nächster Zukunft weitere Produktserien erarbeitet, käuflich zu erwerben sind in der Touristen-Information Weimar, z.B. Vogelhäuser, handgerollte Thüringer-Klos-Seifen und hölzerne Grillzangen.

Das Projekt Knastmade soll Zuversicht und das Gefühl von Selbstwirksamkeit bei den Teilnehmern erzeugen. Gleichzeitig ermöglichen die verkauften Produkte die Fortführung des Projektes.

Das Rugwind Design Studio und Gregor Sauer präsentierten am 21.9.2012 die Boje, die Marke Knastmade und die erfolgreiche Entwicklung des Projektes in einer Ausstellung. Um die Beziehung zwischen den drei parallelen Strukturen – Verein, Projektarbeit mit den Jugendlichen und die dazugehörige Marke Knastmade – zu verstehen, interviewte Rugwind die Arrestanten und die Mitglieder und Mitarbeiter des Vereins eingehend. Aus den Gesprächen entwickelte Rugwind Schaubilder, die zeigten, wie sich diese Strukturen entwickelt haben, ineinander greifen und was dazu motiviert, diese gemeinnützige Arbeit mit den Jugendlichen jeden Tag aufs Neue anzugehen.

Geldgeber, Unterstützer, die als mögliche Partner in Frage kommenden Justiziare und Richter konnten so einen schnellen Überblick darüber bekommen, inwiefern sie die Boje mit ihrer eigenen Arbeit stützen können. An zwei exemplarischen Arbeitsstrecken, die die Herstellung der Knastmade-Produkte zeigten, konnte nachvollzogen werden, was die Jugendlichen tagsüber in der Werkstatt der Boje schaffen. Da das Abbilden und die Anwesenheit der Straffälligen für diese Ausstellung nicht erlaubt waren, fotografierten wir die jungen Leute Schritt für Schritt bei der Arbeit: die fleißigen Hände waren nicht nur auf den Fotosstrecken zu sehen, sondern halfen auch beim Aufbau der Ausstellung. Die Öffentlichkeit war am Tag der Eröffnung herzlich eingeladen zu kommen, zu schauen und eventuelle Berührungsängste an der Türe abzugeben.

Hier Auszüge unserer Fotostrecken, die die Arbeitsschritte illustriert haben:

© Henriette Gruber, Nils Volkmann, Gregor Sauer

September 2012