Projektbeschreibung

BEZIEHUNGSKISTE

Ein Guerilla Stadtmöbel

Damit sich Nachbarschaften und ihre positiven Effekte für die Gemeinschaft etablieren können, braucht es Treffpunkte. Diese Verteilerkästen sind als Treffpunkte für Hausgemeinschaften erdacht, als Intervention zur Revitalisierung und Stärkung von nachbarschaftlichen Beziehungen.

Nachbarschaftliche Beziehungen geben sozialen Rückhalt, bauen Stress ab, sind die Grundlage für „Soziales Kapital” und den Aufbau von Gemeinschaften sowie alternativen, nicht geldbasierten Beziehungs- und Tauschsystemen. Die wichtigsten nachbarschaftlichen Impulse gehen vom engsten Umkreis aus, also von Kontakten aus derselben Straße oder im selben Haus. Wie können noch nicht funktionierende Hausgemeinschaften aktiviert werden? Wie können sich die Bewohner des Hauses kennenlernen?

Die wichtigste Voraussetzung zum Kennenlernen ist ein gemeinsamer Ort, der hauptsächlich von der Gemeinschaft genutzt wird.
Hinterhöfe, öffentlich zugängliche Flachdächer und Vorgärten sind gut geeignete Treffpunkte, um nachbarschaftliche Beziehung zu etablieren. Doch was, wenn diese Möglichkeiten nicht gegeben und die Begegnungen im Hausflur zu flüchtig sind?
Es gibt einen Ort, über den jedes Haus verfügt und den gleichzeitig jeder Hausbewohner nutzt – den Bürgersteig vor der Haustür.
Damit das Nachbarschaftsmöbel auf dem Bürgersteig Platz und Berechtigung finden kann, muss es im ungenutzten Zustand verkleinert und möglichst nicht erkennbar sein. In Deutschland ist das Aufstellen von Stühlen und
Ähnlichem auf Bürgersteigen nur gestattet, solange auf dem restlichen Bürgersteig 150 cm Passierbreite für die Fußgänger bleiben. Für permanente Möblierung verhält es sich noch komplizierter. Um Probleme mit der Verwaltung zu umgehen, nutzt das Möbel Mimikry und tarnt sich als etabliertes Stadtaccessoire: Im Fall des folgenden Entwurfs als Strom- bzw. Verteilerkasten. Zum einen soll die Tarnung bürokratische Hindernisse reduzieren, zum anderen soll das Nachbarschaftsmöbel nur für Eingeweihte erkenn- und nutzbar sein. So wird man immer wissen, dass die Nutzer des speziellen Möbels zur Nachbarschaft gehören.

 

1. Interview im Heft „Machen“ – Thema Soziale Katalysatoren & Beziehungskiste:
Ein PDF zur Online Ansicht – Heft MACHEN – 12 Gespräche – Interview Nils Volkmann

2. Ein weiteres Interview:

Eine Guerilla Bank für die Nachbarschaft.
Beschreibung:
Ein typischer Verteilerkasten birgt ein Geheimnis, das dank der urbanenen Mimikry nicht entarnt wird. Doch wer das Geheimnis kennt kann den Verteilerkasten mit wenigen Handgriffen zu einer gemütlichen Bank verwandeln. Diese Verteilerkästen sind als Treffpunkte für Hausgemeinschaften erdacht, als Intervention zur Revitalisierung und Stärkung von nachbarschaftlichen Beziehungen. Damit sich Nachbarschaften und ihre positiven Effekte für die Gemeinschaft etablieren können, braucht es Treffpunkte. Häufig sind diese Austauschplätze nicht gegeben. Die Guerillabank ‚Beziehungskiste‘ wird in Eigenregie von der Hausgemeinschaft gebaut. Sie versteckt sich in einem Verteilerkasten – diese urbane Mimikry macht sie im Off-Zustand quasi unsichtbar. Aufschließbar ist sie durch die Hausbewohner, die hier einen Treffpunkt finden, um nachbarschaftliche Beziehungen zu stärken, der Anonymität entgegenzuwirken und Soziales Kapital zu generieren.
Welcher Herausforderung der Nachhaltigkeit wollen Sie begegnen?
Neben ökologischer und ökonomischer Nachhaltigkeit sollten die Aspekte sozialer Nachhaltigkeit beachtet werden. Die Intensität und die Qualität unserer zwischenmenschlichen Beziehungen sind der stärkster Einflussfaktor auf unser Wohl- und Glücksempfinden, auf unsere geistige und körperliche Vitalität. Jedes Produkt, jede Dienstleistung, jede Architektur sollte daraufhin überprüft werden, ob dadurch die Qualität sozialer Interaktionen gefördert oder behindert wird.
Was machen Sie konkret, um dieser Herausforderung zu begegnen?
Bei unseren Gestaltungsprozessen versuchen wir immer herauszufinden wie wir die sozialen Beziehungen beeinflussen. Produkte oder Dienstleistungen die soziale Interaktionen fördern, bezeichnen wir als ‚Soziale Katalysatoren‘. Die Guerilla Bank ‚Beziehungskiste‘ ist eine von vielen Interventionen, die wir entwickelt haben, welche helfen Menschen zusammenzubringen.
Welche nächsten Schritte, Aktivitäten oder Meilensteine sind für die Zukunft geplant?
Die Bauanleitung um Verteilerkästen zu Nachbarschaftsbänken umzubauen werden öffentlich zugänglich sein. Außerdem sollen nachbarschaftliche Aktionen initiert werden, um Hausgemeinschaften zum gemeinsamen Bauen ihrer eigenen Hausbank zu animieren.
Welche drei Wünsche haben Sie an den gesellschaftlich-politischen Rahmen?
Die Auswirkungen der sozialen Interaktionen müssen auch in der Stadtplanung ernster genommen werden. Es ist schade, wenn schöne Plätze in Städten nur denen zur Verfügung stehen, die sich auch den Besuch eines Cafés leisten können. Gleichzeitig sind viele vorhandene öffentliche Angebote wie Stadtbänke nicht optimal positioniert oder gestaltet und behindern die Möglichkeit zu kommunizieren und sich als Treffpunkte zu etablieren.

 

© Nils Volkmann

 2009