Projektbeschreibung

CITYTAGS                              

Eine urbane Wikipedia

Zwischen Storytelling und Streetart: Citytags sind Anekdoten, Gedichte, Hinweise, botanische Einträge, Fragen und Bilder auf kleinen aber auffälligen Schildern. Inspiriert sind die Einträge von den örtlichen Besonderheiten der lokalen Nachbarschaft und wecken somit den Geist der Flanierenden und den Blick auf die Umgebung. Die Intimität der Tags stärkt so spielerisch das Miteinander oft anonym zusammenwohnender Menschen und jeder ist aufgerufen mitzumachen.

Jedes Jahr ruft das Synagieren Camp Menschen aus ganz Deutschland zum Stelldichein in einer Stadt zusammen, um dort mit geballter Kraft in sehr kurzer Zeit Projekte umzusetzen, die dringend Mitstreiter brauchen. Das Synagieren Camp Jena fragte uns eine urbane Intervention durchzuführen und einen StreetArt-Workshop nach Jena zu bringen, denn Kunst war bisher noch nicht in ihrem Programm.
Wir machten einen Spaziergang im entsprechenden Stadtteil von Jena und beobachteten genau, was diesen Teil der Stadt ausmacht und überlegten wie man mit der Vorgabe von 3 ganzen Workshoptagen eine Arbeit dort umgesetzt werden könne, die auch der Nachbarschaft zu gute kommt. Drei Tage sind nicht viel, wenn man bedenkt, dass die Teilnehmer noch nie auf diesem Gebiet der Kunst gearbeitet haben. Wir entdeckten bei unserer eigenen Tour viele wundersame und schöne Details im Stadtbild und kreierten die urbane Wikipedia – ein begehbares Buch, dass die Stadt ihren Bewohnern näher bringt.
In drei Workshops haben wir bisher Stadtteile in Jena, Weimar und Erfurt auf den Kopf gestellt. Unsere Probanden – Anwohner und Besucher – haben an Türen geklingelt und mit den Menschen gesprochen, die da wohnen, sie haben Geschichtsbücher gewälzt und in Spaziergängen an Strassen, auf Plätzen und Hinterhöfen verborgene Schätze entdeckt – und nun als kleinen Hinweis für alle anderen Spaziergänger am Schauplatz des Geschehens als Schildchen hinterlassen. Unsere Forscher haben z.B. den seit Jahren liebevoll gepflegten Garten einer alten Frau »getagged«, der Verweis auf das Kleinod, so hofften unsere Teilnehmerinnen, könnte helfen, dieser täglichen Arbeit mit mehr Respekt zu begegnen. In der urbanen Wikipedia lesen wir die gelebten Geschichten der Nachbarschaft, die Tags aus Holz berichten uns von den beliebtesten Orten der Stadtteilbewohner, regen zum Flanieren an, geben den Menschen ein Gesicht – durch Storytelling im urbanen Raum.

            

 

  • Finden Sie hier die Ergebnisse der ersten Citytags-Workshops: www.citytags.de

© Henriette Gruber, Nils Volkmann Mai 2012