Projektbeschreibung

Bauhaus Meisterknödel

Knastmade für einen guten Zweck

Für die Marke Knastmade hat Rugwind in der Wintersaison die Bauhaus-Meisterknödel entwickelt. Produkte, die unter dieser Marke verkauft werden, sind die Ergebnisse von aktiver Arbeit mit jugendlichen Straffälligen, die sich in den Werkstätten des Vereines „Die Boje e.V.” betätigen. Sie haben dort die Möglichkeit gemeinsam zu arbeiten statt allein in einer Zelle zu sitzen. Die Erlöse fließen zurück in die Boje, um neue Projekte zu finanzieren.

Die Boje e.V. ist ein gemeinnütziger Verein, dessen Ziel es ist, straffällig gewordenen Jugendlichen eine sinnliche Tätigkeit in der hauseigenen Werkstatt anzubieten. Es ist nachgewiesen, dass der Aufenthalt im Jugendknast oft dazu führt, dass die Arrestanten eher rückfällig als rehabilitiert werden, da eine wirkliche Auseinandersetzung mit ihren Problemen fehlt und die Umgebung im Jugendknast wenig Mut zur Besserung macht. Unter der Marke „Knastmade“ entstehen Produkte, die von Jugendlichen während ihrer Arrestzeit hergestellt werden. Die Arbeit in der Knastmade-Werkstatt bietet ihnen Abwechslung im Alltag, schafft Ausdrucksmöglichkeiten und öffnet Perspektiven. Hier kann gearbeitet und geredet werden. Für die Boje sollte Rugwind ein Winterprodukt entwerfen, welches einfach zu bauen ist, einen Bezug zu Weimar hat und nachhaltigen Kriterien entspricht.

Die Zielstellung wurde also zusammengefasst:
•    Das Produkt soll so einfach herzustellen sein, dass die Produktionstechnik innerhalb weniger Minuten
selbst von handwerklich unbegabten Menschen verstanden wird
•    es soll möglichst einen Bezug zu Weimar und seiner Kulturgeschichte haben, da es vor Ort verkauft werden soll
•    es soll ökologisch sein
•    es soll möglichst manuell herstellbar sein.
•    es soll einen Bezug zum Thema des Eingesperrtseins oder der Freiheit haben

Nach einer Kulturrecherche und einer Marktanalyse der in Weimar vorhandenen Souvenirartikel trugen wir Themen zusammen, die für uns als Entwurfsgrundlage in Frage kamen. Wir suchten nach einer Alternative zu den überall käuflichen Goethe- und Schiller-Produkten und entschieden uns für das Bauhaus (auch, weil wir Absolventen sind).

Einen Bezug zur Jahreszeit und zum Thema Freiheit fanden wir in der Vogelpflege bzw. -fütterung. Uns gefiel die Idee, dass die eingesperrten jungen Leute so etwas Zartes und Uneigennütziges herstellen könnten wie Vogelfutter. Da Meisenknödel alles andere als schön, jedoch einfach in der Herstellung sind, boten sie genau das, was wir brauchten: Nachhaltigkeit, Formbarkeit, Sinnlichkeit.

Wir übertrugen die Form- und Farbleere von Johannes Itten und Wassily Kandinsky auf die klassischen Knödel. Beide Bauhauslehrer entwickelten mit ihren damaligen Schülern bis heute gültige Farbordnungen und -systeme. Rot stellt die körperhafte Materie dar, wirkt statisch und schwer. Gelb zeigt sich kämpferisch und aggressiv. Blau dagegen wirkt rund und erweckt ein Gefühl der Entspanntheit.

Die Bauhaus-Meisterknödel können mit einfachen Handgriffen unter Anleitung der Mitarbeiterinnen der Boje von den Arrestanten in Form gegossen werden. Überdies erfüllen Sie folgende Kriterien:

•    ausgesuchte Zutaten, optimal für Spatzen und Meisen
•    komplett vegan, ohne Rindertalg und sonstige tierische Fette
•    ohne Rohasche (wie in konventionellen Supermarkt-Meisenknödeln)
•    ohne fremdländische Intrudersamen (oft eine Zutat in herkömmlichen Knödeln, die sich unkontrolliert ausbreiten kann)
•    mit natürlicher Lebensmittelfarbe gefärbt
•    hoher Anteil gesättigter Fettsäuren, hoher Nährwert, wichtig für die Meisen
•    lagerstabil
•    Packung ist vollständig kompostierbar (inklusive Folie)

 

© Henriette Gruber, Nils Volkmann, Sarah Meinert

abgeschlossen im November 2012